Avis de recherche !
Dokumente werden gesucht!
Die Forschungen und Publikationen über Lise Cristiani wurden aufgrund fehlender Dokumente erheblich verlangsamt und teilweise sogar aufgegeben. So warten wir immer noch auf die angekündigten Bücher von Isabelle Blanchetière, Marie-Thérèse Grisenti und Lonaïs Jaillais.
Bis 2025 kannten wir weder Lises Geburtsdatum noch das genaue Datum ihres Todes. Denn wir verfügten weder über ihre Geburtsurkunde noch über ihre Sterbeurkunde, ebenso wenig wie über die ihrer Mutter Lisberthe. Wir haben immer noch keinen Hinweis auf Lises leiblichen Vater – ein Musiker?
Nach dem Tod von Lise behauptete die Familie Barbier, dass alle ihre Archive 1870-1871 in Sceaux verbrannt seien, kurz bevor das gesamte Pariser Stadtarchiv mit dem Hôtel de Ville 1871 in Flammen aufging. Heute wissen wir jedoch, dass ein großer Teil der Barbier-Archive erhalten geblieben ist. Man kann sie bis in die 1990er Jahre nachverfolgen, als sie in Paris verkauft und über die ganze Welt verstreut wurden. Wo sind sie jetzt gelandet?
Darunter befinden sich beispielsweise solche Briefe und Albumblätter:
Ein handgeschriebener Brief von Lise Cristiani:


Erste und letzte Seite eines Dankesbriefes an Fräulein Philippine Kaskel in Dresden:
Der Brief beginnt comme il faut (wie es sich gehört), aber am Ende geht Lise der Platz aus. Sie unterschreibt am Rand: « Lise B. Cristiany Violoncelliste de sa Majesté le Roi de Dannemark » (Lise B. Cristiany, Cellistin Seiner Majestät des Königs von Dänemark“). [Brief Nr. 4 vom 3. August 1846 in Sur les traces de Lise Cristiani] © Cello Library Lugano, Alfred Richter.
Lise Cristiani war nicht nur Musikerin, sondern auch eine femme de lettres (Schriftstellerin) – ihre prächtige Korrespondenz zeugt davon. Kurz nach ihrem Tod wollte man diese veröffentlichen. Aber dieses Buch ist leider nie erschienen und es sind lediglich Auszüge aus Lises Briefen aus Russland erhalten geblieben, die 1860 und 1863 in zwei Artikeln veröffentlicht wurden, mit Passagen, die eindeutig bearbeitet oder hinzugefügt wurden. Wir sind deshalb auf der Suche nach den Originalbriefen. 2018 veröffentlichte Katharina Deserno (siehe BÜCHER) zwei kurze Briefe mit 111 Worten. Sieben Jahre später, 2025, sind wir bei mehr als 4.000 handschriftlichen Worten angelangt (siehe DOKUMENTE). Das ist viel und dennoch wenig im Vergleich zu dem 1854 angekündigten Buch. Jeder neu gefundene Brief eröffnet wieder neue Horizonte, wie diese unveröffentlichten Zeilen in Brief Nr. 4:
« J’ai reçu de vous une aimable lettre à Kopenhague [sic] je crois. Depuis ce temps, je suis remontée en Suède, de là en Norwege [sic]. Vous voyez que j’ai fait d’assez belles courses, un peu sauvages, pas mal dangereuses, fort glorieuses et passablement pauvres. Voilà au juste les impressions qui m’y ont assaillies. Du reste, j’ai vu d’admirables pays, j’ai été reçue très bien et je ne m’en plaindrai jamais, car je prétends qu’un vrai artiste doit quelquefois voyager pour le corps et souvent pour l’esprit. Si cette maxime ne rend pas riche, du moins elle empêche d’être aussi bête. C’est toujours cela de gagné. »
„Ich habe einen liebenswürdigen Brief von Ihnen in Kopenhagen erhalten, wenn ich mich recht erinnere. Seitdem bin ich nach Schweden weitergereist und von dort nach Norwegen. Sie sehen, dass ich einige schöne Touren unternommen habe, ein wenig wild, ziemlich gefährlich, sehr ruhmreich und recht armselig. Das sind genau die Eindrücke, die mich dort überwältigt haben. Im Übrigen habe ich wunderschöne Landstriche gesehen, wurde sehr gut empfangen und werde mich niemals darüber beklagen, denn ich behaupte, dass ein wahrer Künstler manchmal für den Körper und oftmals für den Geist reisen muss. Wenn diese Maxime auch nicht reich macht, so verhindert sie doch zumindest, dass man dumm wird. Das ist immerhin schon dies als Gewinn.“ [Übersetzung W. Kamer]
Ein Albumblatt, geschrieben und komponiert von Lise Cristiani:
![« Souvenir aussi pédant qu’affectueux laissé à Mademoiselle Philippine Kaskel par sa très là [lasse ?] mais très dévouée viol](https://static.wixstatic.com/media/62bddc_73ccb96ab01d47dbb06ece85d59d03f9~mv2.png/v1/crop/x_26,y_20,w_1152,h_810/fill/w_578,h_406,al_c,q_85,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/62bddc_73ccb96ab01d47dbb06ece85d59d03f9~mv2.png)
Albumblatt vom 3. August 1846 (dem obigen Brief beigelegt)
« Souvenir aussi pédant qu’affectueux laissé à Mademoiselle Philippine Kaskel par sa très là [lasse ?] mais très dévouée violoncelliste Lise B. Cristiani / Ceci est mon vrai nom. »
„Eine ebenso pedantische wie liebevolle Erinnerung an Mademoiselle Philippine Kaskel von ihrer sehr müden [?], aber sehr ergebenen Cellistin Lise B. Cristiani. / Das ist mein richtiger Name.“ [sic, obwohl dies nicht der Fall war], [Paris, 3. August 1846, Album Nr. 2 in Sur les traces de Lise Cristiani] © Cello Library Lugano, Alfred Richter.
In den 1840er Jahren führte jeder reisende Virtuose ein Album. Er schrieb in die Alben seiner Kollegen, die wiederum etwas in sein "Stammbuch" eintrugen. Lise komponierte 1845 ein Andante in Felix Mendelssohns Stammbuch, nachdem dieser ein Andante pastorale in ihres eingetragen hatte. Aber Lises Album ist verschollen. Es scheint 1999 zerlegt worden zu sein: Ein New Yorker Händler verkaufte wenig später eine einzelne Seite daraus in Leipzig. Dort wurde das Andante pastorale authentifiziert und bekam die Opusnummer U193. Doch dann verschwand es wieder: Es wurde an einen anderen Händler weiterverkauft, ohne dass jemand die Widmung „à Lise Cristiani” bemerkte. Denn im Jahr 2000 war dieser Name noch völlig unbekannt!
Auch der aktuelle Besitzer ist sich dessen möglicherweise nicht bewusst, ebenso wenig wie der/die aktuellen Besitzer der weiteren Seiten des Albums. Darin befinden sich z.B. ein Andante von Giacomo Meyerbeer aus dem Jahr 1846 und weitere "Schätze", nach denen wir suchen.
Wenn Sie im Besitz eines Briefes oder eines Autogramms von Lise Cristiani sind oder einen Hinweis haben zu Dokumenten, in denen sie erwähnt wird,
Vielen Dank für eine Kontaktaufnahme!
Les amis de Lise Cristiani / Die Freunde von Lise Cristiani
Auf Deutsch, Englisch und Französisch: Herr Waldemar KAMER waldemarkamer@yahoo.fr
Auf Russisch: Frau Marie-Thérèse GRISENTI: mtgrisenti@gmail.com
Lise hat noch nicht ihr letztes Wort gesprochen!

